Netcup SCP Panel Handbuch: Eigene ISOs, VirtIO Windows Server Installation & Administration

Wichtigste Kernpunkte auf einen Blick

  • Klare Trennung der beiden Portale: Das CCP Panel dient der kaufmännischen Verwaltung von Rechnungen und Kündigungen. Das SCP Panel (servercontrolpanel.de) steuert direkt die KVM-Hypervisoren für Betriebssystem-Installationen, Snapshots, HTML5-VNC-Konsole, virtuelle DVD-Laufwerke und Reverse DNS. Benutzername ist bei beiden die Kundennummer, die Passwörter werden jedoch unabhängig voneinander in separaten E-Mails generiert!
  • Warum das Windows-Setup keine Festplatten anzeigt: KVM nutzt paravirtualisierte VirtIO-SCSI-Speichertreiber für maximale NVMe-IOPS. Standard-Windows-ISOs enthalten diese Treiber nicht ab Werk. Sie müssen im SCP virtio-win.iso in Laufwerk 2 mounten und während des Setups den Treiber aus dem Verzeichnis viostor laden.
  • Kostenlose Snapshot-Kontingente: Jeder Server verfügt über kostenlose Snapshots. Vor heiklen Kernel-Updates oder Datenbank-Upgrades erstellen Sie mit einem Klick eine Momentaufnahme und setzen das System im Notfall binnen 1–2 Minuten zurück.
  • PTR Reverse DNS (rDNS): Essenziell für den Betrieb eigener Mailserver (Mailcow, Postfix) und eine saubere IP-Reputation. PTR-Einträge für IPv4 und die geroutete /64 IPv6 können im Menü „Netzwerk“ kostenlos hinterlegt werden.

1. Zugang zum Netcup SCP (Server Control Panel)

Sobald Ihr Server fertig bereitgestellt ist, erhalten Sie eine offizielle E-Mail mit dem Betreff „Zugangsdaten für Ihren vServer / Root-Server“. Diese enthält:

  • SCP Login-URL: https://www.servercontrolpanel.de/
  • SCP Benutzername: Entspricht Ihrer Kundennummer (z. B. 123456).
  • SCP Eigenes Passwort: Ein separates, sicheres Hardware-Passwort (unterscheidet sich vom CCP-Passwort).
  • Netzwerkdaten: Zugewiesene öffentliche IPv4-Adresse, geroutetes /64 IPv6-Präfix und initiale Root-Zugangsdaten.

2. Offizielle und eigene ISO-Images mounten

Wählen Sie in der linken Leiste des SCP Ihren Server aus und navigieren Sie zu Medien > DVD-Laufwerke. Netcup stellt zwei virtuelle DVD-Laufwerksschächte bereit:

1. Offizielle ISO-Bibliothek

Netcup pflegt ein breites Archiv verifizierter Installations-Images, die per Dropdown-Menü mit einem Klick eingebunden werden können:

  • Linux-Distributionen: Debian 12 / 11, Ubuntu 24.04 / 22.04 LTS, AlmaLinux 9, Rocky Linux 9, Alpine Linux.
  • Virtualisierung: Proxmox VE (PVE) 8.
  • Hardware-Treiber: virtio-win.iso (unverzichtbare Treiber-CD für Windows-Installationen).
  • Windows-Testversionen: Offizielle 180-Tage Evaluation-ISOs für Windows Server 2022 / 2025.

2. Eigene private ISOs hochladen und mounten

Für spezielle Linux-Systeme (Arch Linux, NixOS) oder eigene Windows-Images können Sie unter Medien > Eigene Images eigene Dateien importieren:

  • Direkter HTTP / HTTPS Download: Fügen Sie eine direkte Download-URL ein. Die Netcup-Rechenzentrumsanbindung lädt das Image mit über 100 MB/s herunter.
  • FTP-Upload: Das SCP stellt temporäre FTP-Zugangsdaten bereit. Laden Sie Ihre lokale .iso-Datei via FileZilla oder WinSCP hoch; sie steht anschließend sofort zur Auswahl.

3. Praxisanleitung: Windows Server installieren & VirtIO-Treiber laden

Die klassische Hürde vieler Administratoren: Warum meldet das Windows-Setup „Es wurden keine Laufwerke gefunden“?

Die technische Ursache: Um Festplattenzugriffe ohne CPU-Emulationsverluste durchzureichen, nutzt KVM paravirtualisierte VirtIO-SCSI-Controller. Microsoft liefert diese Red-Hat-Treiber nicht im Standard-Image mit.

🛠️ 5 Schritte zur erfolgreichen Windows-Installation:

  1. Zwei virtuelle Laufwerke mounten: Unter SCP > Medien > DVD-Laufwerke:
    • DVD-Laufwerk 1: Windows Server Installations-ISO auswählen.
    • DVD-Laufwerk 2: Offizielle virtio-win.iso auswählen.
  2. Boot-Reihenfolge einstellen: Unter Einstellungen > Boot-Reihenfolge das CD-ROM-Laufwerk an erste Stelle setzen und speichern.
  3. Server neustarten & VNC-Konsole öffnen: Oben auf Neustart klicken und sofort Bildschirm anklicken. Beim Hochfahren eine beliebige Taste drücken, um von der CD zu starten.
  4. VirtIO-Speichertreiber laden: Im Setup zum Bildschirm „Wo möchten Sie Windows installieren?“ navigieren (dieser ist zunächst leer):
    • Unten links auf „Treiber laden“ klicken → auf „Durchsuchen“ klicken.
    • Laufwerk 2 (virtio-win) aufklappen → Ordner viostor öffnen → den Ordner für Ihr System (z. B. 2k22 oder w11) und Architektur (amd64) auswählen.
    • Der Red Hat VirtIO SCSI Controller wird erkannt. Nach Klick auf Weiter erscheinen die NVMe/SSD-Laufwerke in der Liste!
  5. Netzwerktreiber laden (empfohlen): Den Schritt wiederholen und aus dem Ordner NetKVM die Netzwerktreiber laden, damit die Netzwerkkarte sofort nach der Installation aktiv ist. Danach wie gewohnt partitionieren und installieren.

4. Tipps zur HTML5-VNC-Out-of-Band-Konsole

Die Bildschirm-Konsole im SCP greift direkt auf den Framebuffer der virtuellen Grafikkarte zu. Selbst bei Firewall-Fehlkonfigurationen oder Kernel-Panics haben Sie uneingeschränkten Zugriff wie an einem echten Monitor:

  • Strg+Alt+Entf senden: Um den Windows-Sperrbildschirm zu entsperren, nicht die Tastenkombination am PC drücken, sondern oben in der Leiste des VNC-Fensters den Button „Strg+Alt+Entf senden“ anklicken.
  • Linux Root-Passwort bei Verlust zurücksetzen: Server im SCP neustarten, im GRUB-Menü e drücken, an das Ende der linux-Zeile init=/bin/bash anfügen und mit Strg+X booten. Mit passwd root das Kennwort in Sekunden neu vergeben.

5. Kostenlose Snapshots: Funktionsweise und Aufbewahrung

Netcup bietet für alle Instanzen kostenlose Snapshot-Speicherplätze im SCP unter dem Reiter Snapshots:

Snapshot-Funktion Ablauf & Dauer Empfohlene Best Practice
Snapshot erstellen Auf Snapshot erstellen klicken und Namen vergeben. Dauert dank Copy-on-Write nur 5–15 Sekunden. Immer vor heiklen Kernel-Upgrades, Datenbank-Updates oder Firewall-Änderungen anlegen.
Snapshot wiederherstellen Eintrag auswählen und Wiederherstellen klicken. Server stoppt kurz und wird zurückgesetzt. Bei Fehlkonfigurationen stellt der Rollback den exakten Zustand in 1–2 Minuten wieder her.
Aufbewahrungsfrist Snapshots bleiben maximal 28 bis 31 Tage gespeichert und werden danach automatisch gelöscht. ⚠️ Wichtig: Snapshots sind kein Ersatz für dauerhafte Backups! Für langfristige Sicherungen Rclone, BorgBackup oder S3-Speicher nutzen.

6. Netzwerkverwaltung & PTR Reverse DNS (Essenziell für Mailserver)

Alle Netcup Server verfügen über 1 feste öffentliche IPv4-Adresse und ein geroutetes /64 IPv6-Subnetz inklusive kostenloser PTR-Konfiguration:

1. Warum ist der PTR-Eintrag unverzichtbar?

Beim Betrieb eigener Mailserver (Mailcow, Postfix) prüfen empfangende Provider wie Gmail oder Outlook streng die Reverse-DNS-Auflösung der sendenden IP. Fehlt ein PTR-Eintrag, der mit dem Mail-Hostnamen übereinstimmt, werden E-Mails unzustellbar abgewiesen.

2. PTR im SCP einrichten:

  1. Im SCP das Menü Netzwerk aufrufen.
  2. Bei der IPv4-Adresse auf Reverse DNS bearbeiten klicken.
  3. Vollständigen Hostnamen des Mailservers eintragen (z. B. mail.ihredomain.de) und speichern.
  4. Die globale DNS-Aktualisierung dauert meist 15 bis 60 Minuten. Prüfen Sie das Ergebnis im Terminal mit: dig -x [IHRE_SERVER_IP] +short.

7. Dynamischer lokaler Block Storage

Reicht der integrierte NVMe-Speicherplatz nicht aus, bietet Netcup günstigen Local Block Storage:

  • Günstige Konditionen: Ab ca. 0,012 € / GB / Monat netto (1,20 € / Monat pro 100 GB).
  • Zuweisung: Nach Buchung im CCP unter SCP > Speicher > Block Storage dem Server als zusätzliche Festplatte zuweisen (z. B. /dev/vdb).
  • Einbindung unter Linux:
    # Als ext4 Dateisystem formatieren mkfs.ext4 -F /dev/vdb # Einhängepunkt erstellen und mounten mkdir -p /mnt/data mount /dev/vdb /mnt/data # Dauerhaft in /etc/fstab für automatischen Start eintragen echo '/dev/vdb /mnt/data ext4 defaults,nofail 0 0' >> /etc/fstab

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